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Chathurani - die Vormooser Tempeltänzerin
Samstag, 6. Dezember 2008
(Bericht und Fotos: Hans Halbrainer)

Seit mehreren Jahren lebt die 25jährige Singhalesin Chaturani Jayasinghe bei der Familie Halbrainer in Vormoos. Nach dem Besuch mehrerer Schulen und Colleges in Sri Lanka und England absolvierte sie das Tourismuscollege in Klessheim, das sie mit sehr guten Erfolg abgeschlossen hat. Seit einigen Semestern studiert Chathu an der FH Salzburg-Urstein. Einen Teil ihrer Freizeit widmet sie der uralten traditionellen Kunst des indischen Tempeltanzes. Der frühere Obmann der Landlergruppe Feldkirchen Franz Seidl hat die junge Künstlerin zu einer Landlerprobe beim Wirt z'Vormoos eingeladen und ihr die Zusage abgerungen, einige Szenen des Tempeltanzes vorzuführen.

Chathu lernte von klein auf den indischen Bharata Natyam, der als die älteste Form des indischen Tempeltanzes gilt. Die Inder führen den Geist und die Technik ihres Tanzes auf Gott Brahma zurück, der sie dem Weisen Bharata offenbarte. Bharata schrieb vor über 2000 Jahren das Natya Shastra, das grundlegende Werk für den indischen Tanz und die Dramen. Der Begriff Bharata Natyam setzt sich aus verschiedenen Wortelementen aus dem Sanskrit zusammen: „Bha“ – Bhava (= Ausdruck), „ra“ – Raga (= Melodie), „ta“ – tala (=Rhythmus) und „Natyam“ (= Tanz), ist also eine „Verbindung zwischen Ausdruck, Melodie und Rhythmus“ (Bha-ra-ta). In der indischen Mythologie gilt der Tanz als ein Werk Gottes: Von den fünf Pfeilen des Liebesgottes Kama getroffen verliebte sich Schöpfergott Brahma in Sarasvati, der von ihm selbst geschaffenen Göttin der Künste. Als Sarasvati seine Liebe erwiderte, „wurden ihre Schritte zu Tänzen, alles was ihr Mund formte zu Poesie, und das Spiel ihrer Hände wurde zu Musik“. Musik heißt deshalb auf Hindi "Sangita", die Einheit von Tanz, Musik und Poesie. Von den 64 Künsten, die Sarasvati gebar, war Tanzkunst die Erstgeborene.

Diese Ursprungslegende des Tanzes wurde von dem Dichter Bharata aus dem südindischen Tamil Nadu überliefert. Er lebte dort vor etwa 2000 Jahren. Seine Sanskrit-Niederschrift heißt "Natyasastram" oder auch fünfte Veda, denn in diesem uralten Lehrbuch sind Auszüge aus allen vier Veden enthalten. Kein Fest, bei dem nicht wenigstens eine "Nayika" (Tänzerin) auftritt. Als Vermittlerin zwischen Himmel und Erde trägt sie ein farbenprächtiges, niemals schwarzes Gewand, Glöckchen an ihren Fesseln und reichen Schmuck, von dem jedes Stück symbolische Bedeutung hat. Ihr Tanz beginnt und endet seit Urzeiten mit einer Huldigung an die Erde: Namaskaram.

Keine ihrer Bewegungen ist zufällig und zielt darauf ab, nur gefallen zu wollen. Das gilt für die Arme, Hände, Kopf und Augen ebenso wie für die Füsse. Die zehn wichtigsten Fußstelllungen heißen Mandalas. Sie ergeben ein Muster und sollen gute Kräfte aus dem Universum ziehen. Deshalb malen die Frauen in Indien solche Mandalas auf die gereinigten Böden vor ihren Häusern. Sie sind auch ein „Symbol für geordnetes Denken, und das beginnt bei den Füßen“. Eine tänzerische Grundeinheit wird als "Adavu" bezeichnet. Das sind verschiedene Körperhaltungen, die durch rhythmische Bewegungen miteinander verbunden sind. Es wird in drei verschiedenen Tempi getanzt. Zu jeder der 13 Adavu-Gruppen gehören bestimmte Sprechsilben, die die Takte der Bewegungen begleiten, z. B.: „tai ya tai ya tai ya tai“ beim Tattadavu, bei dem mit der ganzen Sohle aufgeschlagen wird oder „tai yum tat tat tai yum ta ha“, bei dem nur die Ferse den Boden berührt.

Am eindrucksvollsten ist sicher die Vielfalt der geschmeidigen Handbewegungen, die Gebärdensprache, einmalig in der Welt der Künste. Die Handgeste, Hasta, wird zum Mudra, wenn sie etwas Konkretes versinnbildlicht. Von den insgesamt 45 Mudras werden 28 mit einer Hand ausgeführt, die restlichen 17 mit beiden Händen.


Chatu verzaubert die Landlergruppe mit
historischem Tempeltanz


jede Bewegung hat eine
spezielle Bedeutung

Chatu reich geschmückt in
der traditionellen Tracht


das Publikum ist begeistert von der Darbietung


Alex und Martin, das neue Führungsduo der Landlergruppe


kulturelle Schmankerl: der Innviertler Landler
und der indische Tempeltanz

Annemarie und Hias sind mit Begeisterung dabei


Im Zuge unserer Recherchen sind wir bei YouTube zufällig auf eine Videoaufnahme der Landlergruppe Feldkirchen aus dem Jahre 1995 gestoßen (Zechentreffen in Taiskirchen). Diese interessante Aufnahme wollen wir euch nicht vorenthalten: Einfach hier klicken!

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