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Osterfeierlichkeiten auf einem anderen Kontinent
Andi
Achatz berichtet live aus Ghana

(email vom 21.04.2006: Andi Achatz)

Hallo liebe Leute!

Hier ein kurzer Bericht aus meinen Osterferien ...

In den Ferien bin ich in den Norden Ghanas gefahren, zusammen mit einem einheimischen Freund (Gideon) und habe bei seiner Familie 5 Tage verbracht. Es war wirklich ein Erlebnis. Das Dorf der Familie liegt ziemlich nahe an der Burkina Faso Grenze und da ich keinen Pass und auch keine Passkopie mit hatte, bekam ich kleine Schwierigkeiten mit dem Immigration Office, aber nach einer viertel Stunde Ueberredungskunst haben sie mich weiterreisen lassen. Die fuenf Tage bei dieser Familie waren wirklich sehr schoen. Habe mit ihnen gelebt, bei ihnen in den Lehmhuetten geschlafen (kein Strom, kein fliessendes Wasser), habe mit ihnen Wasser vom naechst- gelegenen Brunnen geholt und Tag fuer Tag TSCHISET gegessen (habe es endlich geschafft auch die Knochen zu essen, ganz wie die Ghanaen). Habe auch sehr schnell Probleme mit meinen Magen bekommen, da dieser anfangs noch nicht mit den Bedingungen klargekommen ist. Der Vater der echt riesigen Familie hat vier Frauen und dementsprechend viele Kinder. Bei so vielen Kindern ist es natuerlich schwierig, alle in die Schule zu schicken. Nur wenige davon koennen ueberhaupt in die (bei uns Haupt-)Schule gehen, da sich das im Norden niemand leisten kann. Der Klimawandel ist wirklich schlimm, von heute auf morgen war es ploetzlich um 10 Grad heisser und ich hatte wirklich schlimm zu kaempfen, wenn auch nur fuenf Tage. Ich habe mit ihnen wirklich gelebt, habe Ostern mit ihnen verbracht und auch die wirklich traditionellen Taenze und Gesaenge miterlebt - es ist wirklich unbeschreibbar...

Da die Familien im Norden nur eine Regenzeit haben, ist es nur in dieser moeglich, ihr Gemuese und anderes anzubauen, das heisst von Mai bis August haben sie etwas zu tun, den Rest des Jahres tun sie nichts und haben wirklich Probleme immer genug zu essen zu bekommen.

Trotz all den Problemen schaffen sie es, einen Obruni (weissen Mann) wie mir alles moegliche zu schenken und mir wirklich "gutes" Essen anzubieten. Sie brachten mir lebendige Enten und Huehner, Eier und Mangos die sie mir schenkten. Es sind wirklich herzlich gute Menschen, die sich ueber einen Besuch eines Weissen wirklich wundern und sehr freuen.

Habe ihnen einen Fussball gekauft, alle, wirklich alle, haben sich riesig drueber gefreut und spielten den ganzen Tag auch in der riesen Mittagshitze, wo ich nichts tun konnte, nicht einmal schlafen. Habe mir vorgenommen, dass ich in meinem Bekanntenkreis um ein wenig Geld bitte, um einen Jungen (Gordon) die Schulausbildung fuer die naechsten (vielleicht) 3 Jahre zu ermoeglichen, das waeren dann im Schnitt 150 Euro im Jahr.

Ich habe bei dieser Familie wirklich gelernt, wieviel ein Euro ist. War mit ihnen in der Kirche (Assemble of God = evangelisch) - hat um Geld gebeten wie es in jeder Kirche Brauch ist. Die wenigsten konnten sich leisten nur 1000 Cedis (= 0.1 Euro) zu spenden. Da wurde mir bewusst wieviel Geld es ist, wenn ich mir hier in Sunyani Brot um 10.000 Cedis (1 Euro) kaufe. Die Relationen sind wirklich beaengstigend.

Mit dieser Familie die fuenf Tage zu verbringen, hat mir wirklich viel gezeigt und ich kann wirklich sagen, dass ich neue Freunde gefunden habe und sobald ich wieder Zeit haben werde, werde ich sie besuchen und fuer die Kinder und Erwachsenen Stifte, Papier und aehnliches mitnehmen.

Das Reisen mit den Tro Tros kann mit unter wirklich gefaehrlich werden, wie ich bereits erlebt habe. Auf der Strasse von Tamale nach Yendi hat unser Tro Tro (Kleinbus mit 25 Personen besetzt) einen Kuehlerschaden gehabt und wir haben 2 Stunden warten muessen. Waehrend diesen zwei Stunden ist der Fahrer des Tro Tros mit einem anderen Tro Tro mitgefahren und so hat ein anderer weiterfahren muessen, alle fuenf Kilometer haben wir Wasser nachfuellen muessen. Der Fahrer haette dann den Trotro beinhahe in den Strassenrand gelenkt und beim Zurueckreissen des Fahrzeugs auf die Strasse waeren wir beinahe umgekippt, ich hatte wirklich Angst, da die Ueberlebenschancen in einem Tro Tro im Falle eines Unfalles sehr gering sind - und Unfaelle kommen durchaus vor.

In Yendi sind wir ca. um 20:00 Uhr angekommen, wo ich nicht mehr in die Stadt rein durfte, da dort gerade "State of Emergency" herrscht. Ausnahmezustand, da sie dort vor 2 Wochen ihrem"cheaf" (bei uns so etwas aehnliches wie Buergermeister) wegen politischen Problemen den Kopf abgehackt haben. Habe dann bei den Polizisten, die sehr schwer bewaffnet waren, geschlafen - allerdings nicht sehr gut, da die Bank schmal und hart war.

Ueber diese Reise gaebe es noch wirklich viel viel mehr zu berichten, aber alles zu seiner Zeit...

Neachste Woche beginnt wieder die Schule und auch all die anderen kleinen Arbeiten, die ich mir gesucht habe, beginnen wieder, worueber ich sehr froh bin, da so die Zeit viel viel schneller vergeht.

Auf jeden Fall lerne ich sehr viel in diesem Jahr und vieles von dem werde ich erst verstehen, wenn ich schon lange nicht mehr hier bin - es geht alles Schritt fuer Schritt. Ausserdem faellt es mir sehr schwer, dies alles zu verstehen und nachvollziehen zu koennen!

Liebe Grüße aus Ghana,
Andi Achatz

Don Bosco Vocational Training Institute
Attn: Andreas Achatz
P/O Box 1679
Sunyani

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